Ein Brandscheibenbrenner zerlegt
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15''' Volksbrenner von Carl Holy zerlegt

Volksbrenner komplett Links sieht man einen kompletten Brenner vom Typ Carl Holy Volksbrenner in einer Baugröße von 15'''. Dieser Brenner ist ein Brandscheibenbrenner der Matador-Art, benötigt also einen entsprechenden Zylinder mit kugeliger Ausbauchung.

Der Docht ist 66mm breit, das Gewinde hat einen Durchmesser von 39,5mm. Dieser Brenner kann somit auf handelsübliche Lampen aufgeschraubt werden, die original mit einem 12''' oder 14''' Kosmosbrenner bzw. einem entsprechenden Flachdochtbrenner bestückt waren. Die Luftzuführung erfolgt seitlich, es handelt sich also nicht um einen Zentralluftzugbrenner. Eine komplette Lampe ist in den Steckbriefen zu bewundern.

Das hier gezeigte Exemplar hatte leider das Problem, daß der Dochttransport einfach nicht funktionieren wollte, was wohl an Exemplarstreuungen lag und nicht an Betriebseinflüssen, denn der Brenner war, obwohl fast 100 Jahre alt, neuwertig und unbenutzt.

So beschlossen Jürgen und ich, ihn zumindest als Studienobjekt zu verwenden. Also rückte ich ihm zuleibe und machte Fotos...


 

So wie im unten gezeigten Bild sieht es aus, wenn man den Brenner mittels eines großen Lötkolbens oder einer kleinen Gasflamme in alle Einzelteile zerlegt; ohne Gewaltanwendung sind es immerhin 16 Stück.

Volksbrenner in allen Einzelteilen

Von links nach rechts, jeweils senkrecht angeordnet:

  • Galerie und Brandscheibe
  • Äußere Dochtführung und Galeriehalterung mit Zwischenstücken
  • Innere Dochtführung, Bodenplatte, Dochttransportlager
  • Dochttransportzahnräder, Achslager, Achsen; eine mit Dochtschlüsselrad (DSR)
  • Gewindering für Tankmontage, Distanzring

 

Dochtführung komplettKommen wir zum zentralen Teil des Brenners, der Dochtführung, bestehend aus Innen- und Außenhülse, die miteinander weich verlötet sind. Wichtig ist die fast dreieckförmige Belüftungsöffnung; durch sie wird der Luftstrom an die Dochtinnenseite geführt und durch die Brandscheibe geleitet. Ziel dieser Einrichtungen ist es, dem Docht allseitig Luft zuzuführen und somit für eine möglichst vollständige Verbrennung zu sorgen.


 

Diese komplette Dochtführung läßt sich weiter zerlegen in die innere und äußere Führungshülse (zu sehen sind wieder die Brandscheibe, die Bodenplatte und das Transportlager):

Dochtführung zerlegt

 

Wie wird nun aber der Docht dort hineingebracht und eingestellt? Im Falle dieses Brenners mittels zweier Zahnräder, die miteinander im Eingriff stehen und durch das DSR bewegt werden.

Dochttransport von unten

 

Der Blick von unten in den Brenner zeigt die Mechanik. Dreht man das DSR nach links, so erfolgt am angetriebenen Zahnrad (unten) eine Aufwärtsbewegung gegenüber der äußeren Führung. Dadurch, daß sich im Eingriff stehende Zahnräder entgegengesetzt drehen, erfolgt am abgetriebenen Rad (oben) zwar eine entgegengesetzte Drehbewegung, aber gegenüber der Außenwand doch nach oben. Der Docht wird hochgeschoben!


Volksbrenner Dochttransport ausgebaut Wir zerlegen weiter: Hier habe ich den kompletten Transportmechanismus ausgebaut. Deutlich ist zu sehen, daß er aus nichts anderem als zwei Zahnrädern auf Achsen besteht, die in einer Brücke gelagert sind. Hier kommt es beim Löten wirklich auf Maßhaltigkeit an, sonst schlackern die Zahnräder oder klemmen.


 

Volksbrenner Dochttransport zerlegt Der Dochttransport in alle Einzelteile zerlegt...

Wichtig beim Zusammenbau ist, daß man zwar die Zahnräder auf der Achse festlötet, jedoch nicht die Achse in der Lagerbrücke!


 

Volksbrenner mit Docht So sieht es dann aus, wenn in den wieder komplett montierten Transport der Docht eingezogen ist.

Ein Tip noch generell für Runddochtbrenner: Wenn sich der Docht von unten mit Schieben und Gefühl nicht einfädeln läßt, an beiden Kanten mit einer Nadel stabilen Faden oder Bindedraht durchziehen. Faden oder Draht kopfüber durch den Brenner fallen lassen und von der Oberseite her den Docht gefühlvoll ziehen, bis die Zahnräder greifen.


 

Dieses Transportprinzip wird auch bei Kosmos-Brennern angewandt. Aufwendiger konstruierte Brenner besitzen entweder eine Hebegarnitur, die von einer zentralen Zahnstange bewegt wird oder eine Dochthülse, in die ein Zahnrad (oder zwei) von außen eingreifen. Der Docht wird in beiden Fällen in Krallen eingehängt. Auf diese Art ist ein gleichmäßiger Dochtvorschub gewährleistet, während beim einfachen Zahnradtrieb zuweilen Unregelmäßigkeiten auftreten können, wenn das Dochtgewebe auf beiden Seiten unterschiedlich dicht oder einfach abgenutzt ist. Flach- oder Schnurdochtbrenner haben gewöhnlich nur ein Zahnrad, welches den Docht vermittels Gegendruck der Führungshülse transportiert.

Nun sind komplette Dochtführung und Transportvorrichtung wieder montiert. Wenden wir uns also den äußeren Umbauten zu: Die im untenstehenden Bild gezeigten Teile dienen dazu, aus der Dochtführung zusammen mit dem Brennergewinde und dem Galerieträger eben den kompletten Brenner zu machen.

Volksbrenner Bodenplatte und Galerieträger

Das linke Teil gehört nach unten; sein Gewinde wird in den Tank geschraubt. Zu sehen ist eine mittige Öffnung, die eine Entlüftung des Tanks (bei Erwärmung!) durch den Brenner erlaubt. Dreht man bei Lampen dieser Bauart – sofern vorhanden – die Füllschraube auf, so wird man bemerken, daß die Flamme gleich ein deutliches Stück größer wird.

Das rechte Teil hat ebenfalls ein Gewinde, hier wird von oben die Galerie aufgeschraubt, die den Glaszylinder hält. Die beiden bogenförmigen Zwischenstücke überbrücken die Distanz zwischen dem Durchmesser der äußeren Dochtführung und dem Galerieträger. Daß dieser Übergang nicht massiv gefertigt ist, dürfte seinen Grund in einer gewollten Verminderung der Wärmeleitung nach außen haben – sonst würde man sich nach längerem Betrieb an der Brennerumhüllung sicherlich die Finger verbrennen, und da wird es so schon reichlich warm.

Volksbrenner Dochtführung mit Gewinden So sieht es aus, wenn Galerieträger und Bodenplatte wieder mit der Dochtführung zusammengelötet sind. Die Galerie wird nun einfach von oben aufgeschraubt, und der Brenner ist komplett.

Das ganze Gebilde schraubt man in einen Tank und hat eine fertige Lampe.


 

Volksbrenner von schräg obenSchließlich hier noch ein Foto des Brenners von schräg oben ohne die Brandscheibe. Deutlich erkennbar sind innere und äußere Dochtführung sowie der innere Luftkanal, in den die Brandscheibe eingesetzt wird.


 

Schlußwort

So ein alter Brenner ist ein meisterliches Stück handwerklicher Arbeit! Selbst wenn es „nur ein einfacher Kosmosbrenner“ wäre – die Technik ist nicht wesentlich anders. Da kommt es wirklich auf den Millimeter an, an manchen Stellen sogar auf Bruchteile davon. Es ist erstaunlich, daß man vor 100 Jahren bereits mit derartiger Präzision in Massen fertigen konnte...

Dieser Aufbau ist vom Prinzip her gleich für alle Runddochtbrenner; selbst bei Petroleum-Glühlichtern wie der Aladdin® 23 begegnet man entsprechenden Elementen:

  • Innere Dochtführung (inner wick tube)
  • Äußere Dochtführung (outer wick tube)
  • Brandscheibe (flame spreader)

Lediglich der Transport ist hier mit der oben erwähnten außenliegenden Dochthülse realisiert, und wie alle Blaubrenner ist eine weiter optimierte Luftzufuhr konstruiert worden, so daß die Flamme mit deutlich mehr Sauerstoff brennt und nicht mehr leuchtet, sondern nur noch heizt – den Glühkörper nämlich. Und das Zimmer. ,-)

Text und Fotos: Dirk Frieborg, www.lampenmaxe.de
Copyright: Jürgen Breidenstein, www.hytta.de

 

 


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